Actionpainting
Raus aus dem Kopf - rein in die Farbe!
Beschreibung / Zielsetzung
Actionpainting – ein kreatives Erlebnis für alle
Actionpainting – auch Aktionsmalerei genannt – ist eine Form der abstrakten Malerei, bei der Bewegung, Spontaneität und der unmittelbare kreative Prozess im Mittelpunkt stehen. Das Besondere: Es gibt keine klassischen Malutensilien wie Pinsel oder Stifte. Die Teilnehmenden selbst werden zum „Pinsel“. Es gibt Farbe, Leinwand und die eigene Bewegung.
Wie läuft ein Actionpainting-Kurs ab?
Zu Beginn werden die Teilnehmenden spielerisch an Farbe und Bewegung herangeführt. Anschließend entsteht ein gemeinsamer kreativer Prozess. Farbe wird mit Händen, Fingern, Armen oder Füßen aufgenommen und durch unterschiedliche Bewegungen auf die Leinwand gebracht. Es wird getropft, gestrichen, gespritzt, geschleudert oder einfach ausprobiert.
Dabei gibt es keine Vorlage und kein richtig oder falsch. Das Bild entwickelt sich aus dem Moment heraus. Farbspuren können neue Bewegungen inspirieren, spontane Ideen entstehen und auch der Zufall wird Teil des künstlerischen Prozesses.
Gemeinsam wird an einer großen Leinwand gearbeitet. So entsteht ein Gemeinschaftskunstwerk, zu dem jede*r mit den eigenen Bewegungen und Ideen beiträgt.
Was steckt pädagogisch dahinter?
Actionpainting bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu Kunst, Kreativität, Selbstwirksamkeit und Ausdruck. Im Vordergrund steht nicht das perfekte Ergebnis, sondern die Erfahrung während des Gestaltens.
Die Teilnehmenden werden ermutigt, eigene Entscheidungen zu treffen, ihrer Intuition zu vertrauen, Neues auszuprobieren und Kontrolle abzugeben. Sie erleben unmittelbar: „Meine Bewegung bewirkt etwas – ich kann selbst etwas entstehen lassen.“
Gleichzeitig werden Wahrnehmung, Selbstständigkeit, Konzentration und das Miteinander angeregt. Das freie, körperbezogene Arbeiten schafft Raum, den Alltag loszulassen und Freude am kreativen Tun zu erleben.
Für wen ist Actionpainting geeignet?
Actionpainting ist ein Angebot für alle. Kinder, Jugendliche und Erwachsene können unabhängig von Alter, Vorerfahrung oder individuellen Fähigkeiten teilnehmen. Auch Menschen mit Behinderungen sind selbstverständlich willkommen. Bewegungsformen und Ablauf können an die jeweiligen Voraussetzungen angepasst werden.
Ich kann Kunst machen. Ich darf ausprobieren. Ich muss nichts können.
Actionpainting verbindet Kunst, Bewegung, Ausdruck und Gemeinschaft und macht kreatives Arbeiten für alle zugänglich.
Organisatorische Informationen
Raum- und Flächenanforderungen
Das Actionpainting findet bevorzugt im Freien statt. Benötigt wird eine ausreichend große, möglichst ebene und gut zugängliche Fläche für die große Leinwandrolle.
Bei Durchführung im Innenbereich eignet sich ein möglichst freier Raum mit ausreichend Bewegungsfläche. Der gesamte Arbeitsbereich wird von mir vollständig mit Malervlies ausgelegt und geschützt, sodass Böden und angrenzende Bereiche vor Farbspritzern geschützt bleiben.
Geeignet sind beispielsweise Turnhallen, Mehrzweckräume, Gruppenräume oder Klassenzimmer, sofern Tische und Stühle flexibel verschoben werden können.
Bei Regen oder ungeeigneter Witterung wird das Actionpainting nach innen verlegt und findet somit unabhängig vom Wetter statt.
Projektspezifische Kleidung
Da die Teilnehmenden selbst zum „Pinsel“ werden, gehört der direkte Kontakt mit Farbe zum Konzept. Hände, Arme, Füße und Kleidung können Farbe abbekommen.
Empfohlen werden daher:
- Kleidung, die schmutzig und bunt werden darf
- bei Bedarf ein Malerkittel oder altes T-Shirt
- bei warmem Wetter Sonnencreme und Kopfbedeckung
- lange Haare gegebenenfalls zusammenbinden
- bei Bedarf Wechselkleidung
Wer die entstandenen Farbflecken als Erinnerung behalten möchte, kann bewusst weiße Kleidung tragen.
Reinigung
Die verwendeten Fingermalfarben sind gut aus- und abwaschbar. Für die anschließende Reinigung sollten Wasser und alte Handtücher bzw. Tücher bereitstehen.
Eine vollständige Reinigung ist vor Ort in der Regel nicht möglich. Daher sollten Eltern bzw. Erziehungsberechtigte darauf hingewiesen werden, dass zu Hause noch geduscht oder gebadet werden sollte. Wechselkleidung kann ebenfalls sinnvoll sein.
Der Arbeitsbereich selbst wird durch das von mir ausgelegte Malervlies geschützt.
Zeitlicher Rahmen
Für das Actionpainting sollten mindestens 90 Minuten eingeplant werden. Darin enthalten sind Einführung, kreative Gestaltungsphase und eine kurze gemeinsame Nachbesprechung.
Mit mehr Zeit kann intensiver auf den kreativen Prozess eingegangen werden und es bleibt mehr Raum für freie Gestaltung und Reflexion.
Wichtig: Die entstandene Leinwand benötigt anschließend ausreichend Zeit zum Trocknen. Bitte hierfür zusätzliche Zeit einplanen und den sicheren Transport der noch feuchten Leinwand berücksichtigen.
Auch nach dem Trocknen kann das Kunstwerk weiter genutzt werden – beispielsweise für gemeinsame Betrachtungen, Ergänzungen oder weitere kreative Folgeprojekte.
Bezug zum Lehrplan / Bildungs- & Erziehungsplan
Actionpainting knüpft unmittelbar an zentrale Bildungsziele der ästhetischen und kulturellen Bildung an. Im Mittelpunkt stehen sinnliches Wahrnehmen, kreatives Gestalten und die Möglichkeit, sich durch künstlerische Ausdrucksformen selbst mitzuteilen.
Im schulischen Kontext
Insbesondere im Fach Kunst bietet Actionpainting vielfältige Anknüpfungspunkte an den bayerischen LehrplanPLUS. Die Schüler*innen setzen sich praktisch mit Farbe, Fläche, Bewegung und Gestaltung auseinander und erleben Kunst als offenen, individuellen und prozessorientierten Gestaltungsprozess.
Angeregt und gefördert werden insbesondere:
- Wahrnehmung: Farbe, Bewegung, Raum und die eigene Körperwahrnehmung werden unmittelbar erlebt.
- Gestalten und Experimentieren: Unterschiedliche Bewegungen erzeugen verschiedene Farbspuren und Gestaltungsmöglichkeiten.
- Kreativität und Fantasie: Es gibt keine vorgegebene Lösung. Eigene Ideen und spontane Entscheidungen sind erwünscht.
- Intuition und Offenheit: Die Teilnehmer*innen lernen, sich auf einen offenen Prozess einzulassen und mit Unvorhergesehenem umzugehen.
- Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit: Jede Bewegung hinterlässt eine sichtbare Spur und macht den eigenen Einfluss unmittelbar erfahrbar.
- Reflexion: Die entstandenen Arbeiten und eigenen Erfahrungen können anschließend gemeinsam betrachtet und besprochen werden.
- Soziales Lernen: Das gemeinsame Arbeiten fördert Kooperation, Kommunikation, Rücksichtnahme und die Wertschätzung unterschiedlicher Ausdrucksformen.
Actionpainting verbindet damit zentrale Bereiche des Kunstunterrichts – Wahrnehmen, Gestalten, Reflektieren und Präsentieren – auf eine unmittelbar erfahrbare und handlungsorientierte Weise.
Im Elementarbereich
Auch im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan findet Actionpainting zahlreiche Anknüpfungspunkte. Ästhetische Bildung wird hier als ganzheitliche Erfahrung mit allen Sinnen verstanden.
Actionpainting verbindet ästhetische Erfahrung, Bewegung, Körperwahrnehmung und kreatives Gestalten. Kinder können Farben unmittelbar erleben, eigene Ausdrucksformen entwickeln und erfahren, dass ihre Handlungen sichtbare Veränderungen hervorbringen.
Ein Angebot für alle
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem niedrigschwelligen und inklusiven Zugang zu Kunst. Es sind weder zeichnerische Fähigkeiten noch künstlerische Vorkenntnisse erforderlich. Jede Person kann entsprechend der eigenen Möglichkeiten kreativ tätig werden.
Das Angebot kann an unterschiedliche Altersgruppen, Gruppengrößen sowie körperliche und individuelle Voraussetzungen angepasst werden. Auch Menschen mit Behinderungen können teilnehmen; Bewegungsformen, Raumgestaltung und Impulse lassen sich entsprechend anpassen.
Actionpainting schafft einen geschützten, wertfreien Raum, in dem nicht das perfekte Ergebnis zählt, sondern die eigene Erfahrung, der kreative Prozess und die Freude am Gestalten.
Kunst soll für alle zugänglich sein – unabhängig davon, ob jemand glaubt, „gut malen“ zu können.